Yoga & Klang: Loslassen & Erneuern – Aber bloß nicht das Ding fallen lassen
Als Jule von Yoga-Lieblingsmensch und ich diesen Yoga-Workshop im Frühherbst planten, ahnte ich noch nicht, welche Bedeutung auch für mich darin liegen sollte – zumindest nicht in der Dimension, wie sie sich dann im November entfaltete. “Loslassen & Erneuern” – das klang nach, mit einer schmerzhaften und zugleich hoffnungsvollen Note. Ja, das Echo dieses Workshops sollte mich noch einige Zeit begleiten, meine inneren Antennen anders oder gar neu ausrichten.
Ok, sagen wir es so und ehrlich:
Dass ich etwas in meinem Leben loslassen will und muss, war mir schon seit Längerem klar, doch nicht die mentale und klangliche Untermalung dieses Prozesses durch eben diesen Workshop, den ich selbst auch noch mit gestalten sollte.
Worauf ich mich einließ, war also die Verschmelzung aus anleitender Funktion mit professionellem Selbstanspruch und Selbsterfahrung in einer aufwühlenden Zeit meines Lebens.
Jule war bereits seit dem Morgen in der Physiotherapiepraxis Finesse und bereitete den Gruppenraum vor – mit Matten, Decken, Kissen und einem Altar, bestehend aus einem leuchtend-roten Tuch, allerhand Sächlein und Annehmlichkeiten, um den Teilnehmenden des Workshops bestmöglich eine Atmosphäre zu schaffen, in der es leicht fallen soll, anzukommen und sich wohlzufühlen. Ich kam später, aber rechtzeitig vor Beginn des Workshops dazu. Jule wusste, was zu tun ist – sie gab mir ohne Umschweife und Vorrede eine feste und lange Umarmung. (Sie wusste, was mich zu dieser Zeit thematisch umtrieb.)
Damit öffnete sich auch für mich die Tür, um mit allem anzukommen und dort vor Ort sein zu können: Mit einem Koffer voller Klanginstrumente, Decken, mit meinem inneren Instrumentarium, meiner Liebe für Klänge, aber auch mit meiner “seelischen Verfassung”. Da war ihr Vertrauen und mein Selbstvertrauen: Diese Verfassung darf hier an Ort und Stelle Platz finden. Ich darf mich vor diesem Hintergrund von meiner Intuition leiten lassen. Sie kann sich frei und unverkrampft zu meinem Handwerk dazu gesellen. Mein innerer Zustand kann sich aus seiner gefühlten Starre heraus lösen und neue, wohlduftende Luft schnappen.
So kam es dann auch. Nach meinem ersten “Wow!”, als ich den von Jule beinahe fertig gestalteten Raum sah, setzte ich mich voller Tatendrang und auch ein wenig nervös in Bewegung, arrangierte meine Klanginstrumente und war voll in meinem Element. Es gab einen Plan. Ich wusste, was ich wann, wie, wo einsetzen und wirken lassen will, um die von Jule angeleitete Yin Yoga-Praxis bestmöglich zu unterstützen. Ein harmonisches, weil einvernehmliches Schweigen machte sich im Raum breit, während sanfte Musik im Hintergrund plätscherte. Dabei fiel mir auf, dass zwei eben angeschlagene Klangschalen harmonisch zum gehörten Stück passten. Jede von uns bereitete vor, sortierte Dinge und Kopf, bis das erste Klingeln zu hören war.
Sieben teilnehmende Menschen saßen 11 Uhr am 30.11.2025 im Kreis vor dem von Jule vorbereiteten Altar. Jede Person brachte ihre ganz eigene Energie mit. Mit “Energie” meine ich Körpersprache, Mimik, Blickkontakt, Stimme, Lautstärke, Präsenz, Ansprache, Tonalität, …, alle Unterschiede trafen aufeinander und schwangen sich irgendwie miteinander ein – keine Gleichschaltung, kein Gleichklang, keine künstlich-verfälschte Harmonie, sondern Aufmerksamkeit füreinander und für das, worauf sie sich eben freiwillig und mit ihrer persönlichen Intention einließen.
Nach einem sanften Ankommen im Raum, jede/r mit sich selbst und mit den anderen, thematisierten wir fast schon spielerisch und mithilfe geschriebener Worte die gemeinsame Intention des Workshops, zu der jede anwesende Person ihren ganz persönlichen Anteil beitrug. Nennen wir es “verbindende Basis. Dann begann unsere Symbiose aus Yoga und Klang. Jule hatte mir einige Tage zuvor ein Briefing geschickt, in dem ich alle geplanten Yoga-Haltungen inklusive Ziel und Wirkung fand. Die gemeinsame Basis von Yoga und ganzheitlicher Klangtherapie ist das Meridian-System des Menschen.
So konnte ich mir also ein eigenes Konzept erstellen, um meine Klangschalen so einzusetzen, dass sie Entspannung, Regeneration und Erneuerung fördern. Hinzu kommt eine Portion Intuition und die nonverbale Kommunikation mit Jule durch den Raum hindurch, die mich immer wieder beeindruckt und mir zeigt, wir gut wir miteinander können.
Mein Einsatz war auch bei diesem Workshop körperlich etwas fordernd. Aber ich mag’s. Ja, es braucht mitunter Kraft, eine stabile Körperhaltung und einen ruhigen Atem, um während der einzelnen Sequenzen jeder teilnehmenden Person quasi eine kleine Klangmassage zu geben – in Enge, Wärme, mit einer schweren Metallschale auf der flachen Hand (es geht nur flach und ohne Umgreifen, denn sonst schwingt und klingt da nichts), Füßen und Köpfen möglichst federleicht ausweichend, Ruhe ausstrahlend, während alle anderen hoffentlich “beseelt” eine meditative Schwerelosigkeit genießen.
”Bloß nicht das Ding fallen lassen!” Ein lautes Scheppern wäre das geringere Übel.
Geschafft! Ich saß mit roten Apfelbacken im Gesicht auf meiner Decke, atmete tief durch, trank einen Schluck Tee und stellte lautlos alle Instrumente so im Halbkreis vor mir auf, dass ich fließend zum Klangbad übergehen konnte, während Jule sich hinaus in die Küche schlich, um das Mittagessen vorzubereiten. Mit dem Klangbad begleitete ich das Shavasana für etwa 20 Minuten:
Ein teilweise gleichzeitiges Spielen, Reiben von Kristall- und Metallklangschalen in Kombination mit bewusst gesetztem Nachklingen und wieder Einsetzen. Ganz am Anfang des Klangbads stand ich noch einmal auf. Denn zunächst zeichnete ich mit den Harmony Chimes ein klingendes Zelt über den liegenden Körpern.
Zwei, drei Teilnehmende trugen ein leichtes und entspanntes Lächeln im Gesicht. Bei anderen schien es, als hätte die Gravitation Körper und Boden eins werden lassen. Wohlig-schwer und locker sahen sie aus. Nach einigen Momenten der Stille läutete ich das Zurückkommen, das Munterwerden mit meinem Koshi ein. Diese Phase eines Klangbads erlebe ich immer als sehr intim, denn es ist so, als würde ich allen anwesenden Menschen morgens beim Aufwachen zusehen – ein Grund, warum es mir wichtig ist, einen Workshop oder ein Klangbad mit den Worten ”Danke für eure Bereitschaft zum Loslassen. Danke für euer Vertrauen.” abzuschließen
